Dürr: Gutachten ist eine große Hilfe / VPE-Erdkabel ist eine echte Option

Hannover/Landkreis Oldenburg. Nach der Vorstellung des Gutachtens zu den Möglichkeiten einer Erdverkabelung der geplanten 380 kV-Stromtrasse von Ganderkesee nach St. Hülfe, zeigte sich der Umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und Ganderkeseer Abgeordnete mit dem Ergebnis zufrieden. „Das Gutachten ist eine große Hilfe bei der Entscheidungsfindung. Wir müssen uns die Ergebnisse jetzt im Einzelnen ansehen. Eine Verlegung als VPE-Erdkabel ist zu einer echten Option geworden. Ob dies allerdings gelingt, hängt entscheidend von der Art und Weise des weiteren Ausbaus der Windenergie ab“, so Dürr.

Bei dem Gutachten, welches von der Regierungsvertretung in Oldenburg in Auftrag gegeben worden war, ist ein Vergleich zwischen den drei Varianten Freileitung, Erdkabel als VPE (vernetztes Polyethylen) und Erdkabel als so genannte GIL (gasisolierte Leitung) angestellt worden. Die „Vergleichende Studie zu Stromübertragungstechniken im Höchstspannungsnetz„ ist von Prof. Oswald aus Hannover und dem ForWind Institut erstellt worden. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Mehrkosten für ein VPE-Kabel bei einer Netzeinbindung der Windenergie, wie sie in der Vergangenheit betrieben wurde, beim 2,15-fachen im Vergleich zur Freileitung liegen. Die GIL wäre 4,66-mal teurer.

Würden neue Windenergieanlagen nicht wie in der Vergangenheit direkt ans Netz angeschlossen und die Netzbetreiber nicht zu einer vorrangigen Abnahme verpflichtet, könnten die Kosten für das VPE-Kabel auf das 1,5-fache gegenüber der Freileitung sinken. „Ich fühle mich bei unseren Forderungen, was den Ausbau der Windenergie betrifft, bestätigt“, sagte Dürr. Bisher wird der Strom aus Windparks direkt in das Netz eingespeist. Die Netzbetreiber sind per Gesetz verpflichtet jede anfallende Menge Windstrom abzunehmen. In Windspitzenzeiten können so vom Netz kaum verkraftbare Mengen Windstrom anfallen.

„Wir müssen bei der Windenergie umsteuern. Wenn wir den Strom weiterhin eins zu eins sofort ins Netz bringen, wird das einen erheblichen Leitungsausbau zur Folge haben. Mögliche Erdkabelvarianten werden dann kaum finanzierbar sein. Wenn wir aber durch neue Rahmenbedingungen auf Bundesebene, insbesondere durch eine Änderung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG), viel stärker auf marktwirtschaftliche Instrumente setzen, wie sie die FDP fordert, dann würde sich die Speicherung des Stroms eher lohnen. Der Netzausbau würde sich insgesamt in einem Rahmen bewegen, der Erdkabelvarianten eher zulässt. Wir müssen viel stärker auf die Stromspeicherung setzen – das gilt insbesondere auch für den Offshore-Bereich. Hier setze ich vor allem auf die Koalitionsverhandlungen im Bund. Die staatliche Mindestpreisvergütung für Windstrom muss der Vergangenheit angehören. Egal wer am Ende regiert – wir müssen bei der Energiepolitik umsteuern“, betonte Christian Dürr.

Zu den Mehrkosten bei der Erdverkabelung sagte Dürr: „Hier ist jetzt die Bundesnetzagentur gefragt. Sie muss die Mehrkosten für ein Erdkabel genehmigen, um es für das Land rechtlich möglich zu machen, auf eine Erdverkabelung zu setzen. Die E.ON hat erklärt, dass sie diesbezüglich Gespräche mit der Bundesnetzagentur aufnimmt. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass die Verlegung einer Höchstspannungstrasse als Erdkabel über diese Distanz ein absolutes Novum ist. Gleichwohl bezeichnen die Gutachter alle drei Techniken als geeignet.“

veröffentlicht am 23. September 2005

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